SHARE Österreich gilt seit jeher als Land mit einer besonders hohen Sparquote. Laut der repräsentativen Sparstudie 2024 ist für 81 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher das Sparen wichtig oder sehr wichtig. Die Sparquote der privaten Haushalte lag 2023 bei 8,7 Prozent des verfügbaren Einkommens, für 2024 wurde sogar ein Anstieg auf 11,4 Prozent prognostiziert. Doch trotz dieser ausgeprägten Sparneigung landet das Geld mehrheitlich auf dem Sparbuch – einer Anlageform, die in ihrer klassischen Variante seit Jahren reale Wertverluste produziert. 78 Prozent der Bevölkerung nutzen laut derselben Studie ein Sparkonto, so viele wie vor zehn Jahren. Gleichzeitig beschreiben sich ebenfalls 78 Prozent als sicherheitsorientiert und sind bereit, für diese Sicherheit auf Ertrag zu verzichten. Doch die Zeiten ändern sich: Die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) ab 2022 machte Tages- und Festgeldkonten wieder attraktiver, und die Zahl der Wertpapierbesitzer stieg von 25 auf 30 Prozent zwischen 2022 und 2024. Dennoch bleibt die Frage: Wie kann Geld in Österreich sinnvoll angelegt werden, und welche Rolle spielt dabei die unabhängige Honorarberatung? Das Sparbuch ist in Österreich so etwas wie ein Nationalheiligtum. Generationen haben ihr erstes Taschengeld darauf angelegt, und noch heute besitzen laut einer Erhebung von Statista 56 Prozent der österreichischen Anlegerinnen und Anleger ein Sparbuch oder eine Sparkarte. Doch die Realität ist ernüchternd: Wer im Jahr 2010 10.000 Euro auf einem Sparbuch mit 0,1 % Zinsen liegen ließ und die Inflation mit durchschnittlich 2,5 % ansetzt, hatte 2024 nominal noch immer etwa 10.140 Euro – real jedoch nur noch eine Kaufkraft von rund 7.000 Euro. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) bestätigt: Österreichische Haushalte halten rund 40 % ihres Geldvermögens in Form von Einlagen und Bargeld, obwohl diese Anlageformen in Zeiten von Inflation und Niedrigzinsen kaum noch realen Werterhalt bieten. Trotz der Dominanz des Sparbuchs gibt es Bewegung: Laut dem Aktienbarometer 2025 investieren mittlerweile rund 2,3 Millionen Menschen in Österreich in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Investmentfonds. Besonders Exchange Traded Funds (ETFs) haben die Geldanlage in den letzten Jahren grundlegend verändert. Sie bieten niedrigere Verwaltungskosten, breite Streuung und eine transparente Kostenstruktur – Faktoren, die für langfristige Anleger zunehmend attraktiv werden. Dennoch: Nur 35 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen halten Aktien in ihrem Depot. Die Scheu vor Risiko und mangelndes Wissen bleiben Hürden. Im Gegensatz zur klassischen provisionsbasierten Beratung durch Banken zahlen Kunden bei der Honorarberatung direkt für die Beratungsleistung. Ein typischer Honorarberater in Österreich berechnet zwischen 150 und 300 Euro pro Stunde. Für ein umfassendes Anlagekonzept samt Umsetzung fallen damit etwa 2.000 bis 5.000 Euro an – einmalig, nicht jährlich. Der Vorteil: Der Berater erhält sein Honorar direkt vom Kunden und nicht durch Provisionen von Produktanbietern. Das löst Interessenkonflikte und schafft mehr Transparenz. Die Honorarberatung steckt in Österreich noch in den Kinderschuhen. Während sie in Deutschland und der Schweiz bereits weiter verbreitet ist, bleibt die Auswahl an qualifizierten Honorarberatern hierzulande begrenzt. Zudem erfordert die unabhängige Geldanlage ein gewisses Maß an Eigeninitiative und Finanzbildung – nicht alle Anleger sind bereit oder in der Lage, sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) meldet für 2024 einen deutlichen Ertragsanstieg im Wertpapiergeschäft österreichischer Banken. Gleichzeitig wächst das unabhängige Beratungssegment kontinuierlich. Die FMA betont, dass regulatorische Veränderungen – etwa im Bereich Nachhaltigkeit (ESG) – die Beratungsqualität weiter verbessern sollen. Die Professionalisierung der Beratung durch renommierte Zertifikate und die Fokussierung auf Honorarberatung fördern das Vertrauen der Kunden. Gewinne aus Wertpapieren unterliegen in Österreich der Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5 %. Österreichische Depotbanken führen diese Steuer automatisch ab – ein administrativer Vorteil. Gleichzeitig gibt es politische Bestrebungen, Langfristanleger steuerlich zu entlasten. Seit 2022 können Arbeitnehmer zudem jährlich bis zu 3.000 Euro steuer- und abgabenfrei als Gewinnbeteiligung erhalten, was die private Vermögensbildung unterstützt. Österreich bleibt ein Land der Sparer, doch die Art und Weise, wie gespart und angelegt wird, steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Während das Sparbuch nach wie vor dominiert, gewinnen Wertpapiere, ETFs und die unabhängige Honorarberatung an Bedeutung. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Transparenz, weniger versteckte Kosten und bessere langfristige Renditechancen. Gleichzeitig erfordert der Umstieg auf moderne Anlageformen oft Überwindung und Bildung. Die unabhängige Honorarberatung bietet hier eine wertvolle Unterstützung – nicht als Werbeversprechen, sondern als objektive, kundenorientierte Dienstleistung. Wer bereit ist, sich mit den eigenen Finanzzielen auseinanderzusetzen und gegebenenfalls in professionelle Beratung zu investieren, kann langfristig von den Chancen einer diversifizierten und kosteneffizienten Geldanlage profitieren. Bernhard Führer ist Anlageberater, Financial Planner und Anlageexperte. Außerdem ist er Gründer und Leiter der unabhängigen Vermögensplanungsgesellschaft Strategy & plan sowie VP VermögensPlanning, Autor, Dozent und Betriebswirt. Bernhard Führer ist Anlageberater, Financial Planner und Anlageexperte. Außerdem ist er Gründer und Leiter der unabhängigen Vermögensplanungsgesellschaft Strategy & plan sowie VP VermögensPlanning, Autor, Dozent und Betriebswirt.Geldanlage und unabhängige Honorarberatung in Österreich
Das Dilemma der klassischen Geldanlage
Sparbuch und Tagesgeld: Sicherheit um welchen Preis?
Wertpapiere: Wachsender Trend, aber noch immer Nische
Unabhängige Honorarberatung: Mehr Transparenz, weniger Interessenkonflikte
Wie Honorarberatung funktioniert
Vorteile der Honorarberatung
Herausforderungen und Grenzen
Aktuelle Entwicklungen und regulatorische Rahmenbedingungen
Europaweiter Trend zu mehr Transparenz
Steuern und Förderungen
Fazit: Geldanlage in Österreich – zwischen Tradition und Wandel
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