Warum das Depot oft weniger bringt, als es sollte: Die unterschätzten Renditefresser

| August 14, 2026|Categories: Finanzmärkte|

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class=”text-text-100 mt-3 -mb-1 text-[1.375rem] font-bold”>Wer Geld anlegt, glaubt oft, rationale Entscheidungen zu treffen. Die Realität sieht anders aus — und das lässt sich mittlerweile anhand von Tausenden realer Depots belegen.

Woher die Rendite wirklich verschwindet

Eine groß angelegte Auswertung von mehr als 2.750 Portfolios, die seit dem Jahr 2020 analysiert wurden, zeichnet ein aufschlussreiches Bild: Anlageentscheidungen folgen selten nüchternen Kriterien. Stattdessen spielen die jeweilige Depotbank, das Beratungsmodell und psychologische Mechanismen eine entscheidende Rolle dafür, was tatsächlich im Portfolio landet — und was an Rendite übrig bleibt.

Das Ergebnis variiert dabei je nach Institutstyp erheblich. Bei Genossenschaftsbanken und klassischen Regionalbanken machen aktiv gemanagte Fonds mitunter rund 56 Prozent des Depot-werts aus. Bei Neobanken und Fintech-Plattformen dreht sich das Bild: Dort dominieren Einzelaktien mit einem Anteil von fast 55 Prozent. Beide Welten haben ihre spezifischen Schwachstellen — was sie gemeinsam haben, ist der Einfluss des jeweiligen Geschäftsmodells auf das Anlageverhalten der Kunden.

Banken verkaufen, was sich für sie lohnt

Der entscheidende Mechanismus dahinter ist struktureller Natur: Banken empfehlen bevorzugt jene Produkte, mit denen sie selbst am meisten verdienen. Bei klassischen Filialinstituten sind das häufig hauseigene oder provisionsstarke aktiv gemanagte Fonds. Die Logik ist einfach: Wer die Fonds selbst herausgibt oder deren Vertrieb vergütet bekommt, hat ein Eigeninteresse daran, diese zu platzieren — unabhängig davon, ob sie für den Anleger optimal sind.

Das ist kein Vorwurf, sondern ein struktureller Interessenkonflikt, der sich in Zahlen niederschlägt. Laut der FMA-Marktstudie 2025 zu Fondsgebühren über österreichische Publikumsfonds betrugen die laufenden Verwaltungsgebühren von 988 untersuchten Fonds mit einem verwalteten Vermögen von rund 120 Milliarden Euro im volumengewichteten Mittelwert 1,13 Prozent jährlich — bei Aktienfonds sogar 1,46 Prozent. Zum Vergleich: Ein passiver ETF auf einen breiten Weltindex kostet oft zwischen 0,1 und 0,2 Prozent pro Jahr. Auf 20 oder 30 Jahre Anlagehorizont gerechnet ist dieser Unterschied nicht marginal — er kann einen signifikanten Teil des Endvermögens ausmachen.

Ein konkretes Zahlenbeispiel macht das greifbar: Wer 500.000 Euro bei einer erwarteten Bruttorendite von 6 Prozent investiert, hat nach zehn Jahren bei einem auf ETFs ausgerichteten Portfolio bis zu 100.000 Euro mehr als jemand, der vorwiegend auf aktiv gemanagte Fonds gesetzt hat. Der Hauptgrund: Gebühren und Ausgabeaufschläge bei aktiven Fonds, die laut der FMA-Studie maximal im volumengewichteten Mittelwert bei 3,53 Prozent Einstiegskosten liegen, fressen die Rendite von Anfang an.

Was die Zahlen über aktives Fondsmanagement sagen

Dabei wäre das alles noch zu rechtfertigen, wenn aktiv gemanagte Fonds ihre Versprechen einlösten. Tun sie aber mehrheitlich nicht. Die SPIVA-Scorecard (S&P Indices Versus Active), die als Goldstandard für den Vergleich aktiver und passiver Anlagestrategien gilt, dokumentiert das Jahr für Jahr. Laut dem SPIVA-Report 2025 gelang es in Deutschland nur jedem dritten Aktienfonds, seinen Vergleichsindex zu schlagen. Europaweit blieben in 18 von 21 Aktienkategorien mehr Fonds unter ihrer Benchmark als darüber. Auf zehn Jahre betrachtet schafft es in vielen Kategorien nur noch jeder zwanzigste Fonds, eine echte Überrendite zu erzielen.

Die Ausreißer nach oben existieren zwar — aber sie im Voraus zu identifizieren gelingt kaum. Eine weitere Herausforderung: Laut SPIVA schafft es nur ein Bruchteil der aktiven Fonds, die sich in einem Jahr im obersten Leistungsviertel befanden, auch im nächsten Jahr dort zu bleiben. Wer also vergangene Performance als Auswahlkriterium nutzt, spielt ein Spiel mit ungünstigen Wahrscheinlichkeiten. Dazu kommt der sogenannte Survivorship Bias — Fonds, die besonders schlecht performen, werden oft stillschweigend aufgelöst oder mit anderen Fonds fusioniert, was die offiziellen Erfolgsstatistiken der Branche schöner erscheinen lässt, als sie sind.

Es gibt noch eine weitere Kategorie, die besonders misslich ist: der sogenannte „Indexkleber”. Das sind Fonds, die offiziell aktiv verwaltet werden, aber kaum von ihrem Vergleichsindex abweichen. Schätzungen zufolge ist rund jeder fünfte vermeintlich aktive Fonds in Wirklichkeit eine teure Nachbildung des Marktes — ohne die Vorteile eines günstigen ETFs.

Das unsichtbare Risiko: Digitale Plattformen und der Emotionszyklus

Auf der anderen Seite des Spektrums finden sich Neobanken und digitale Trading-Plattformen. Hier sieht das Depot auf den ersten Blick anders aus — mehr Einzelaktien, weniger aktiv gemanagte Fonds — aber das Rendite-Problem ist ein anderes. Digitale Anbieter verdienen häufig dann, wenn gehandelt wird. Das führt zu einer subtilen, aber wirksamen Beeinflussung: Die Benutzeroberflächen sind darauf ausgelegt, aktives Handeln zu fördern. Notifikationen, Kursalarme, einfaches One-Click-Trading — all das motiviert zu mehr Transaktionen.

Dieses Phänomen hat in der Verhaltensökonomik einen Namen: der Emotionszyklus. Anleger lassen sich von Kursbewegungen mitreißen — kaufen in Hochphasen, wenn Euphorie die Stimmung bestimmt, und verkaufen in Abschwüngen, wenn die Nerven blank liegen. Beides ist das Gegenteil von dem, was langfristig zu Rendite führt. Wie die Auswertungen zu irrationalen Anlageentscheidungen zeigen, kostet dieser psychologisch bedingte Fehler Anleger im Schnitt mehrere Prozentpunkte Rendite pro Jahr — eine Größenordnung, die weit bedeutsamer ist als die Frage ETF oder Aktie.

Das Rechenbeispiel ist ernüchternd: Wer durch schlechtes Timing die zehn besten Handelstage pro Dekade verpasst, erzielt laut Langzeitanalysen jährlich rund 3 Prozentpunkte weniger Rendite, als wenn er einfach investiert geblieben wäre.

Beratung als Faktor — aber welche?

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Art der Beratung. Bei klassischen Filialbanken erhalten Anleger in der Regel eine Beratung — die jedoch inhärent provisionsorientiert ist. Provisionen aus dem Fondsvertrieb fließen an die Bank, nicht an den Kunden. Das bedeutet: Der Berater, dem man gegenübersitzt, hat nicht zwingend denselben Anreiz wie man selbst.

Diese Erkenntnis ist auch der Ausgangspunkt für das wachsende Interesse an unabhängiger Honorarberatung in Österreich. Anders als bei provisionsbasierten Beratungsmodellen zahlen Kunden hier direkt für die Beratungsleistung — ohne versteckte Interessenkonflikte durch Fondsprovisionen. Wie Analysen zu Kosten und Renditefresser in österreichischen Portfolios zeigen, lässt sich allein durch den Wechsel zu einem kosteneffizienten und interessenkonfliktfreien Beratungsmodell langfristig ein erheblicher Teil der Rendite zurückgewinnen.

Was Anleger daraus ableiten können

Das alles führt zu einem Befund, der so einfach wie folgenreich ist: Die Auswahl des Anbieters, das Beratungsmodell und die eigene psychologische Disziplin haben einen mindestens ebenso großen Einfluss auf die Rendite wie die Frage, in welche Wertpapiere investiert wird.

Konkret bedeutet das:

Erstens lohnt es sich, die tatsächlichen Kosten des eigenen Depots zu kennen — Verwaltungsgebühren, Ausgabeaufschläge und Depotkosten zusammengenommen. Was bei österreichischen Publikumsfonds im Schnitt über 1 Prozent pro Jahr ausmacht, addiert sich über Jahrzehnte zu einer erheblichen Summe.

Zweitens ist Passivität — im Sinne von seltenerem Handeln — für die meisten Privatanleger renditetechnisch sinnvoll. Weniger Transaktionen bedeuten weniger Kosten, weniger steuerliche Ereignisse und weniger Gefahr, im falschen Moment auf Kursbewegungen zu reagieren.

Drittens ist die Frage, wer die Beratung bezahlt, keine formale, sondern eine inhaltliche. Wer das Geschäftsmodell seines Beratungsanbieters kennt, versteht auch, welche Interessen hinter den Empfehlungen stehen.

Die gute Nachricht: All diese Stellschrauben liegen grundsätzlich in der Hand der Anleger — vorausgesetzt, man weiß, wo man drehen muss.


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